FRANCO CORSIGLIA

Interview mit Franco Corsiglia

Schulleiter OSUA Klingnau

Wie ist die Idee zum Kulturprojekt entstanden?

Die Idee, dass wir ein Kulturprojekt machen wollen, ist bei den Lehrpersonen unserer Schule entstanden, die erlebt haben, dass an dieser Schule bereits einige solcher Projekte durchgeführt wurden, dies in längeren zeitlichen Abständen. Zu Beginn wussten wir noch nicht, dass das Projekt «AQUATA» heissen würde. So ist die Idee entstanden, unsere Schule könnte wieder einmal ein Kulturprojekt machen gerade auch in Hinblick auf die noch nicht geklärte Standortfrage der Bezirksschule. Unter anderem war dies eine Idee, um unsere OSUA wieder einmal mit einem kulturellen Grossprojekt in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Welche Schritte haben stattgefunden, bis das Konzept zu «AQUATA» Gestalt angenommen hat?

Zuerst mussten wir wissen, was wir überhaupt inhaltlich für eine Geschichte erzählen wollen. Dann mussten wir überlegen, ob unser Grossprojekt eher ein Theater oder mehr ein Musical werden soll. Somit haben wir im September 2017 angefangen, die ersten Ideen zum Projekt zu sammeln. Wir wollten eine Geschichte hinbringen, in der die Schüler und Schülerinnen der OSUA sagen, worum es inhaltlich geht, natürlich mit Inputs unserer Lehrpersonen. Deswegen haben die Schüler und Schülerinnen der OSUA Texte zum Thema "Unterwasserwelten" verfasst. Und aus allen Aufsätzen, die ausgewählt wurden, entstand dann die Geschichte des Stückes. Das waren die allerersten Schritte. Danach wurde eine Auswahl aus den Schülertexten getroffen. Das, was an Texten von den Schülern der OSUA verfasst worden ist, wurde anschliessend von einem Experten überarbeitet. Dieser hat aus dem Ganzen eine Geschichte geschrieben, die mit einer geheimnisvollen Welt unter Wasser zu tun hat. Dann wurde noch ein Wettbewerb ausgeschrieben, um zu bestimmen, welches Logo wir für «AQUATA» nehmen. Deswegen wurde auch zuerst ganz lange von "Unterwasserwelten" gesprochen, und irgendwann wurde dann «AQUATA» daraus.

Was finden Sie gut am Projekt?

Ich finde es super, dass alle Schülerinnen und Schüler dabei sind, dass es eine Geschichte ist, die aus der Schülerschaft kommt, dass alle Lehrpersonen dazu beitragen und die ganze Schule mitmacht. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten während den Projektwochen in den Gruppen und Ressorts, in denen es ihnen am wohlsten ist. Diejenigen, die gerne singen, können dort mehr singen, andere schreiben eben lieber. Ich finde, das ist toll, dass alle mit Freude etwas machen können und nicht etwas machen müssen, das ihnen nicht gefällt.

Gab es von Ihrer Seite Zweifel am Gelingen des Projekts?

Nein, überhaupt nicht. Wir haben eine tolle Schülerschaft und motivierte Lehrpersonen. Ich denke, das Projekt «AQUATA» wird gut herauskommen.

Welches Ziel hat dieses Projekt, welche Erwartungen haben Sie an das Projekt und die Schüler?

An das Projekt selber habe ich die Erwartung, dass uns drei tolle Auftritte auf der Bühne bevorstehen. Manche Mutter und mancher Vater werden kommen und sagen, dass sie gar nicht gewusst haben, wie gut ihr Kind singen oder schauspielern kann. Das finde ich super. Meine Erwartung an die Schülerschaft ist, dass wir miteinander lernen, egal woher man kommt oder wer man ist, gemeinsam ein grosses Projekt auf die Beine zu stellen, das am Schluss in der Öffentlichkeit aufgeführt wird und zu dem alle beigetragen haben. Das braucht Konzentration und Motivation bei allen Beteiligten.

Was halten Sie davon, dass drei Schulwochen aufgrund dieses Projektes ausfallen?

Ich stelle mir eine andere Frage: Sind wirklich drei Schulwochen ausgefallen? Das glaube ich eben nicht. Wir haben jetzt drei Wochen nicht einfach eins plus eins zusammengezählt, niemand wollte während den Projektwochen etwas über den Satz des Pythagoras wissen und niemand musste erklären, was der Imperativ ist, aber grundsätzlich hatten wir eigentlich gar keinen Schulausfall. Die Schüler lernen während den Projektwochen komplett anders, weil sie lernen, miteinander zu arbeiten. Die Schüler organisieren sich in Teamarbeit, und wenn die Pressegruppe ihre Texte verfasst, müssen alle trotzdem darauf achten, dass die Grammatik, die Satzstellung und die Interpunktion stimmen. Ich glaube nicht, dass wir drei Schulwochen verloren haben, wir haben einfach drei Wochen etwas komplett anderes gemacht und trotzdem dabei etwas gelernt.

Welche Probleme mussten die Lehrer und Sie überwinden?

Die grösste Herausforderung ist, dass die drei Unterrichtswochen indirekt fehlen, also die Schullektionen mit dem jeweiligen Schulstoff. Das ist ein bisschen eine Zeitfrage. Unsere Lehrer und Lehrerinnen arbeiten im Moment um vieles mehr, als sie im Regelunterricht leisten müssen. Das ganze Projekt benötigt natürlich viel mehr Zeit und Engagement auch bei den Schülerinnen und Schülern. Das ist ein Punkt, mit dem man umgehen können muss. Wir müssen einen Weg finden, uns zu motivieren, damit wir bis zu den Aufführungsterminen am 05., 06. und 07. April fertig sind. Das Hauptsächliche sind jedoch die Schülerinnen und Schüler, da nicht jedem Theater und Musik gleichermassen gefallen. Ich erwarte auch nicht, dass alle unsere 255 Schülerinnen und Schüler ausnahmslos von diesem Projekt begeistert sind. Es wird immer die eine oder den anderen geben, dem die Arbeit am Projekt nicht so gefällt, und gerade diese Schüler möchten wir ebenfalls motivieren mitzumachen. Wir wollen versuchen, dass diejenigen, die am Projekt zweifeln, am Ende sagen, es ist doch insgesamt eine gute Sache gewesen. Das sind, glaube ich, die hauptsächlichen Dinge, die wir überwinden müssen. Eine weitere Herausforderung waren die Beschaffung des Raumes für die Aufführung und die Frage der Finanzierung dieses Grossprojektes.

Wie wird das Projekt finanziert?

All unsere Schülerinnen und Schüler müssen dafür ein ganzes Jahr lang arbeiten (lacht). Nein, wir können einen Teil über das normale Schulbudget finanzieren. Einen grösseren Teilbetrag hoffen wir durch die Besucher der Aufführungen einzunehmen. Ich rechne über die drei Aufführungen damit, dass etwa 800 Zuschauer kommen werden. Das bringt Einnahmen. Wir schreiben jetzt Briefe und bitten um Sponsoring für «AQUATA». Wir schreiben alle Geschäfte in der Region an, um ein paar Spenden für die Finanzierung zu bekommen. Durch das Verkaufen der Gadgets, die wir machen, rechnen wir auch mit einigen Einnahmen. Auf diese Weise müssen wir die gesamte Produktion finanzieren. Sehr viel machen wir selbst, wir nähen die Kostüme, wir bauen die Bühne, aber das Material müssen wir zukaufen. Für Licht, Ton und Film haben wir Profis engagiert, denn wir wollen eine gute Aufführung. Wir haben das ganze «AQUATA»-Projekt angemeldet beim kantonalen Wettbewerb "Funkenflug". Dort hoffen wir, dass wir gut abschneiden, und wenn es gut kommt, gibt es noch ein bisschen Preisgeld. Beim Kanton kann man gewisse Mittel einholen, wenn man so ein Projekt macht, und das alles zusammen sollte eigentlich dazu führen, dass wir die ungefähr 60`000 Franken, die dieses Projekt kostet, auch zahlen können.

Interview: Edna Brkic und Sarina Portmann, 19. Februar 2019